Du fragst, ich antworte!
Vanessa Laszlo

Wie reagiere ich souverän, wenn mir jemand sagt, ich solle mehr lächeln?!

 

Meine Tochter lernt Grav Maga, eine offensive Selbstverteidigungsart. Hier, wie in vielen anderen Sportarten ebenfalls, geht man – und Frau natürlich auch! – immer zuerst in eine sogenannte Grundstellung. Und genau das machen wir jetzt auch. Nicht körperlich, sondern mental.

Hier kommt deine mentale Grundstellung:

Wie mein Gegenüber mich behandelt, sagt nichts über mich, sondern sagt mir etwas über mein Gegenüber!

 

Ja, ich weiß, du willst widersprechen. Nichts da, das ist die Grundstellung. Damit beginnt alles und dahin kehren wir zurück, wenn wir ins Straucheln geraten!

Das sitzt noch nicht richtig und deshalb üben wir es erneut. Sprich bitte mit und trainiere so deine mentale Grundstellung für deine souveräne Selbstverteidigung:

Wie mein Gegenüber mich behandelt, sagt nichts über mich, sondern sagt mir etwas über mein Gegenüber!

 

In diesem Fall lernst du, dass dein Gegenüber sich wünscht, dass du mehr lächelst. Ja klar, geht den das gar nichts an. Ist richtig. Hilft dir aber nicht weiter!

 

Also was tun?

 

  • Klar ist, einfach mehr lächeln geht gar nicht.
  • Klar ist, einfach zu versprechen, ab jetzt (noch) mehr zu lächeln geht auch nicht.
  • Klar ist, dies mit der gleichen Plumpheit zu konfrontieren geht auch nicht: „Das braucht Sie nicht zu kümmern, ob und wie oft ich lächle. / None of your business, Alda!“
  • Klar ist, auch die elaborierte Variante der Konfrontation ist irgendwie ungünstig, verbreitet Stress und ist mördereskalativ: „ Bedauerlicherweise sind die Zeiten, in denen Männer Frauen erzählen, wie sie zu sein haben, immer noch nicht vorbei. Schade, dass auch Sie weiterhin Geschlechterstereotype verbreiten. Im Übrigen verbitte ich mir das in Zukunft.“

 

Also was tun???!

 

Du macht einen psychologisch effektiven Move und gibst den Inhalt dahin zurück, wo er hin gehört nämlich zu deinem Gegenüber! Remember: Deine Grundstellung! 🙂

 

Cave: Da Kommunikation, außer in ihrer folkloristischen Variante, nicht mit einer Gebrauchsanweisung funktioniert, ist das Folgende nicht als Rezept, sondern als Konzept zu verstehen:

 

Vielen Dank, dass Sie mir so offen ihr Bedürfnis nach einem noch freundlicheren Kontakt mitteilen. Nach noch mehr Lächeln!

oder

Das finde ich toll, dass Sie so offen von sich/darüber sprechen/ über ihre Bedürfnisse sprechen: Sie wünschen sich von mir, dass ich Sie noch mehr anlächle.

Gefolgt von:

Gerne werde ich in Zukunft mehr Rücksicht auf Sie nehmen und versuchen, Sie bewusst anzulächeln. Bitte nehmen Sie mir nicht übel, wenn ich dies versäume. Darin liegt keine Geringschätzung, nur mein inhaltlicher Fokus.“

  

Hier die psychologische „Übersetzung“ deines Moves:

 

  • Du reagierst nicht. Du agierst. Nicht mit Rechtfertigung oder Kleinmachen.
  • Du konfrontierst lediglich implizit – ohne die Gefahr einer Eskalation. (Denn das ist es doch, die Sorge davor, alles nur noch schlimmer zu machen, was uns oft davon abhält, für uns einzustehen).
  • Dabei reagierst du nicht folgst der Realitätsgestaltung, die dein Gegenüber verwendet – sondern agierst du folgst deiner Realitätsgestaltung! Diese beinhaltet in diesem Fall ein klassisches Reframing: Übergriffigkeit mit Kritik (und Geschlechtsklischee, jaaaa, auf jeden Fall) wird zu Hinweis auf eigene Bedürfnisse: ich brauche es halt eindeutig freundlich. Gaaaanz viiiiiel freundlich! 🙂
  • Du grenzt dich dabei auf souveräne relaxte Weise deutlich ab und lässt nicht zu, dass an dir rum-optimiert wird.
  • Du agierst auf Augenhöhe und wirst nicht Objekt der Kommunikation, sondern agierst aus der Position der Gesprächs-Führung! 

  

Vergiss nicht, zwischen People Pleaser und Natural Born Hater liegt ein riesen großer Raum, den du mit kleinen und großen Schritten durchschreiten kannst. Du kannst entscheiden, mit welcher Amplitude du auf das „Angebot“ deines Gegenübers agierst. Ja, weiß ich, grammatikalisch müsste es „reagieren“ heißen, tut es aber eben nicht, denn psychologisch muss es an dieser Stelle „agieren“ sein!

 

Und

wie du mit dem Kommunikationsangebot deines Gegenübers umgehst, das sagt etwas über dich aus!

Was dein Gegenüber dir anbietet, sagt etwas über ihn oder sie aus. Was du damit machst, sagt etwas über dich aus!

Natürlich bietet ein solcher Spruch Anlass zum Ärgern – muss er aber nicht, du kannst ihn gut als Möglichkeit nutzen, um zu zeigen, aus welchem Holz du geschnitzt bist.

 

Vielen Dank für deine Frage. Lass mich gerne wissen, ob meine Antwort hilfreich für dich ist.