Seit ich 14 Jahre alt war, habe ich mein eigenes Geld verdient. Geld war in meiner Kindheit immer Mangelware und damit ein nervtötendes Dauerthema. Ist dir das auch schon aufgefallen? Geld ist immer dann ein Thema, wenn zu wenig davon da ist. Doch zurück zu dem, was ich eigentlich erzählen möchte: Mit 14 habe ich begonnen, Klavierunterricht und Nachhilfe zu geben. Beides erschien mir mit 18 ebenfalls noch ein gutes Ticket für Verdienstmöglichkeiten zu sein um zu studieren. Und als ich erfuhr, dass in einem nahe gelegenen Gefängnis beides gesucht war, habe ich mich vorgestellt – und wie nahezu immer in meinem Leben, den Job bekommen.

Keinen Monat später, hatte ich ein Gespräch mit dem leitenden Knastpsychologen, der mir auf den Kopf zusagte, was ich natürlich schon längst bemerkt hatte: „Vanessa! Klavierunterricht und Nachhilfe interessieren hier kein Schwein. Warum sprichst du nicht mit den Leuten?!“

Das darauf folgende, für mich ungeheuerliche Angebot habe ich sofort angenommen. Ich soll mit Gefangenen sprechen?! Ich, 18 Jahre alt, Abi, keine weiteren formellen Qualifikationen außer einer offensichtlich markanten Grundbegabung, die meiner Umwelt sofort und mir zum damaligen Zeitpunkt noch lange lange nicht ins Auge sprang. Ich soll mit Gefangenen sprechen und – dafür Geld bekommen?! Hallooo?! JA KLAR!!!!

Mit einem halben Tag pro Woche begann etwas, was über eine Dekade zu einer wichtigen Quelle nicht nur für Einkommen, sondern für Sinn, Erfahrungen, Kompetenzerwerb, Selbstwerdung, Welterweiterung wurde und im zeitlichen Umfang so weit es irgendwie ging, ausgedehnt und selbstverständlich professionalisiert wurde.

Und ich begann zu wachsen. Ein Effekt, der mir bis heute bei jedem Auftrag wichtig ist: Liegt etwas darin, woran ich wachsen kann?! Abgesehen davon, dass Menschen sich zu jedem Zeitpunkt überraschend verhalten können, was die Arbeit mit Menschen für mich persönlich vollkommen verschleißfrei macht. Und dieses Wachsen und dieses Empowerment bei anderen Menschen zu initialisieren, ermöglichen, unterstützen, challengen, befeuern und zu beflügeln ist zu meiner Passion geworden.

Konzertpianistin bin ich nicht geworden, Lehrerin auch nicht. Was für ein Glück! Beides hätte meine Stärken nicht ansatzweise so abgerufen, wie das, was Stück für Stück, beginnend bei diesen ersten Berufserfahrungen, entstanden ist und mich, ohne mein absichtsvolles Zutun oder auch nur meine diesbezügliche Wahrnehmung, mit einer Selbstverständlichkeit in ein selbstständiges Leben und geführt hat. Dabei war und ist Geld immer wieder ein Thema, wie für jede Unternehmerin und jeden Unternehmer und ein Gespräch nach wie vor mein liebster und bevorzugter Weg zu meinen Gegenübern.

Egal unter welchem Label ich gearbeitet habe: Verhandlungsberatung, Konfliktlösung, Teamentwicklung, Executive Coaching – immer findet sich in meiner Handlungsspur, neben der Erledigung des vereinbarten Auftrags und oft weit darüber hinaus, gemeinsames Wachsen und das Stärken und Befähigen von Menschen, Ihre PS auf die Straße zu bringen. Ihre Stimme einzusetzen für Ihre Wichtigkeiten und Ziele. Ihnen zu zeigen, wie sie ihre einzigartige Kombi aus Charaktermerkmalen, Stärken und Kompetenzen so einsetzen, dass sie mehr gewinnen. Ohne dass jemand verliert. Ja das geht. Aber das ist ein anderes Thema.